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Alt 08.02.2008   #1

Joe

 
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Vollzeit + Freelancer

Hallo,

ich hab mal ein paar Fragen an euch, da der eine oder andere hier vllt darüber mehr weiss. Ich werde bald meine Weiterbildung zum Techniker beendet haben und werde dann (hoffentlich) eine Vollzeitbeschäftigung in diesem Bereich haben. Nebenbei wollte ich als Freelancer (3D) arbeiten, also keine riesen Projekte sondern nur so kleinere Sachen damit ich so einen einstieg finde und mir dadurch evtl. eine professionelle Software kaugfen kann...so nun zu meinen Fragen.
Ist dass überhaupt möglich und wenn ja worauf muss ich achten? Denkt ihr dass ich mit Blender überhaupt Aufträge bekommen könnte, da ich mir momentan kein teures Programm leisten kann.
Danke schonmal im vornherein.

Joe
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Alt 08.02.2008   #2

35 Millipeter

 
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AW: Vollzeit + Freelancer

Hi Joe,

erstmal zur verwendeten Software:

Prinzipiell sollte es Deinem Auftraggeber egal sein, welche Software Du verwendest. Hauptsache Du kommst zum Ziel, es schaut gut aus und das möglichst in einer überschaubaren Zeit (es muss sich ja auch für Dich lohnen).

Manchmal kann es aber vorkommen, dass Du eine bestehende 3D-Pipeline hinzuarbeiteten musst. Zum Beispiel: "Wir haben hier ein geriggten Charakter, kannst Du den für uns animieren?"! Und dann bekommst Du wahrscheinlich ne Maya, Max oder XSI Datei und da bin ich fast sicher, dass Du mit Blender nicht groß weiter kommst. Der Austausch zwischen Max, Maya und XSI wird ja nun immer besser, da läßt sich oft was zurechtfrimmeln.

Natürlich kannst Du dann solche Aufträge ablehnen, da Du nicht hauptberuflich Freelancer bist, ist das vielleicht eher verschmerzlich.

Zum Organisatorischen:

Wenn Du neben Deinem Hauptberuf noch eine selbständige Tätigkeiten ausüben willst, muss - soviel ich weiß - Dein Arbeitgeber zustimmen. Ich bin mir nicht ganz sicher, es würde aber meiner Meinung Sinn machen. Nicht das Deine hauptberufliche Tätigkeit unter der Nebentätigkeit leidet.

Wenn Du Rechnungen schreiben willst, dann musst Du Dir unbedingt vom Finanzamt eine Steuernummer besorgen. Das geht oft telefonisch, Dir wird dann sicher aber ein Brief noch hinterhergeschickt, wo Du noch ein paar Sachen ausfüllen musst. Dort ist auch einiges zu beachten:

Je nachdem was Du für eine Tätigkeit ausübst, wirst Du als Freiberufler anerkannt oder als Gewerbetreibender. Grafiker bzw. Grafikdesigner sind zwar keine Katalogberufe, diesen aber ähnlich und eine Anerkennung als Freiberufler sollte von daher kein Problem darstellen. Manchmal spielt leider auch die Ausbildung ne Rolle. Das muss wohl irgendwie mit der Tätigkeit zusammenpassen. Ich kenn aber bis jetzt keinen, der irgendwie danach gefragt wurde.

Ein Gewerbe sollte man möglichst vermeiden (hat aber auch Vorteile), weil sonst IHK, Gewerbesteuer und auch Rentenversicherung fällig wird. Wenn Du nur wenig verdienst und vornehmlich dies auch nebenberuflich machst, dann kann man meineserachtens sich von diesem Kram auch befreien lassen. Da kenn ich mich in Sachen Nebenerwerb leider nicht so gut aus, auch nicht, was da steuerlich zu beachten ist. Da gibt es sicherlich Sonderregelungen.

Eine Tätigkeit als Freiberufler ist meiner Meinung nach vorzuziehen. Bei dem Formular vom Finanzamt solltest Du auch angeben, dass Du Kleinunternehmer bist. So musst bzw. darfst Du nicht Umsatzsteuer abführen und auch nicht Umsatzsteuer auf Deine Rechnungen draufschlagen. Das spart ne Menge Arbeit und gerade wenn man nur nebenbei arbeitet und wenig verdient, lohnt es sich nicht. Kleinunternehmer kannst Du sein, wenn Du nicht mehr als etwa 17000 Euro in zwei aufeinanderfolgenden Jahren verdienst. Oder so ähnlich!

Aufpassen muss man noch bei der Rentenversicherung, weil zwar Freiberufler von dieser befreit sind, Künstler (-Freiberufler) aber nicht. Die müssen in die KSK (Künstlersozialkasse). Da Du aber nicht hauptberuflich künstlerisch tätig bist und Du vermutlich weniger als 3900 Euro im Jahr verdienst, sollten die Dich eigentlich in Ruhe lassen. Wenn Du allerdings dauerhaft für einen Auftraggeber arbeitest und mehr als 400 Euro monatlich verdienst, dann bist Du wiederum scheinselbständig und dann muss man wieder in die Rentenversicherung. Auch hier kann man sich aber wieder bis zu 3 Jahre befreien lassen.

Apropos KSK, für jedes Künstler/Grafiker-Honorar muss Dein Auftraggeber so um die 5% an die KSK zahlen. Egal ob Du da versichert bist oder nicht. Darum musst Du Dich eigentlich nicht kümmern, es ist aber gut zu wissen, weil unter Umständen Deine Auftraggeber versuchen Dir das vom Honorar abzuziehen, was meines erachtens nicht rechtens und auch nicht Sinn der Sache ist.

Wenn Du Rechungen schreibst, dann müssen dort auch ein paar Sachen unbedingt drauf: Steuernummer, eindeutige Rechnungsnummer, Rechnungsdatum, was genau die Dienstleistung beinhaltet, Kontoverbindung, Anschrift des Empfängers, Absenderanschrift und natürlich den Gesamtbetrag. Wenn Du Kleinunternehmer bist, dann ist es auch empfohlen drauf zu vermerken, dass Du keine Umsatzsteuer abführst. Das darfst Du auch nicht mal so und mal so machen.

Wichtig bei der Beschreibung der Dienstleistung ist, dass dies natürlich auch zu Deiner beim Finanzamt angegebenen Tätigkeit passt. Wenn da auf einmal da zum Beispiel irgendwas von Webprogrammierung oder Hardwarezusammenbau etc. steht, dann ist das nicht mehr freiberuflich und müsste wieder anders behandelt werden. Man kann meines wissens mischen, aber was da steuerlich zu beachten ist (sicherlich dann doch Gewerbe und und und ...) weiß ich nicht.

Natürlich musst Du dann ne Steuerklärung machen. Man kann allerhand absetzen (Rechnungen für bestimmte gekaufte Sachen (Arbeitsmittel) also gut aufheben) um seinen Gewinn zu schmälern. Dazu reicht ne einfache Einnahme/Überschuss-Rechnung. Doppelte Buchführung muss nicht sein. Wenn man sehr viel anschafft, dann lohnt sich das vielleicht rein zahlenmäßig doch mit der Umsatzsteuer, weil Du von Deiner zu zahlenden Umsatzsteuer auf Deinen Rechnungen, sofort die Umsatzsteuer des gekauften (Arbeitsmittel) abziehen kannst. Ob sich das für einen lohnt, muss jeder selbst wissen. Als Berufsanfänger muss man oft monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung machen.

Hier noch ein hilfreicher und interessanter Link: Startseite

Das sind jetzt so meine Erfahrungen. Ich kann natürlich keine Garantie auf vollständige Richtigkeit geben. Gerade was die Nebentätigkeit betrifft, fehlt mir das Wissen und die Erfahrung. Da solltest Du gegebenenfalls mal mit einem Steuerberater reden.

Ich weiß, dass ist alles ziemlich viel und es erschlägt einem auch ziemlich. Aber wir leben nun mal in einem sehr bürokratischen Land.

Falls noch Fragen sind, dann frag einfach. Vielleicht weiß ja jemand anderes nach mehr oder hat was zu berichtigen bzw. andere/weitere Erfahrungen?!

Halt uns auf dem Laufenden!

Viele Grüße,
Peter
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Alt 08.02.2008   #3

Joe

 
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Hallo,

danke Peter, das ist ja eine Flut an Informationen da werd ich mich wohl wirklich mal mit jemanden zusammen setzen müssen wenns soweit ist.
Noch ein paar andere Fragen:
- Wie sollte ein gutes Portfolio aufgebaut sein, habt ihr eins wo ich mal reinsehen darf.
- Und wo stelle ich das ein, damit Firmen überhaupt auf mich aufmerksam werden.
- Wie kann ich meine Arbeit preislich abschätzen damit ich nicht zu viel und nicht zu wenig verlange. Könnt ihr mir vllt ein paar anhaltspunkte geben (sofern man darüber überhaupt redet)

Ist ja nicht so dass ich sofort damit anfangen will, ich muss schliesslich noch besser werden, aber irgendwie/-wo will ich halt mal anfangen.

Joe
Icerockers ist offline  
Alt 08.02.2008   #4

35 Millipeter

 
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  Zitat von Icerockers »
- Wie sollte ein gutes Portfolio aufgebaut sein, habt ihr eins wo ich mal reinsehen darf.
Schwer zu sagen. Ne gut und übersichtlich gemachte Webseite ohne viel BlaBla, worauf Du versuchen solltest Arbeitsproben gut zu präsentieren, macht sicher schon viel aus. Ansonsten hat sich ein Show- bzw. Demoreel in der Branche etabliert. Kommt natürlich noch ein bisschen darauf an, was Deine Zielgruppe ist.

  Zitat von Icerockers »
- Und wo stelle ich das ein, damit Firmen überhaupt auf mich aufmerksam werden.
Es gibt ein paar Portale, die sich auf Design und Filmwirtschaft spezialisiert haben. Sowas wie dasauge oder crew united !!! Da gibt es sicherlich noch mehr, aber da müsste ich selbst erstmal recherchieren.
Meine Erfahrung ist aber, dass sehr viel über Vitamin-B läuft. Was auch helfen kann, Kontakt zu den Firmen zu bekommen sind bestimmte Messeereignisse wie z.B. die FMX. Da kann man wohl direkt an die Firmen rantreten und sich direkt vorstellen.

  Zitat von Icerockers »
- Wie kann ich meine Arbeit preislich abschätzen damit ich nicht zu viel und nicht zu wenig verlange. Könnt ihr mir vllt ein paar anhaltspunkte geben (sofern man darüber überhaupt redet)
Das ist ein heißes und sehr viel diskutiertes Thema. Die Meinungen gehen dabei sehr stark auseinander. Hinzu kommt noch das die Kunden natürlich immer viel für sehr wenig Geld wollen, oftmals entscheiden die quasi den Preis. Ich denke, als Einsteiger hat man es da recht schwer und oft versucht man halt über den Preis sich am Markt zu behaupten. Lang geht das sicherlich nicht gut. Viele behaupten, dass darunter würde auch der Markt leiden und auch der Ruf geschädigt. So ähnlich war das beim Webdesign auch mal.

Aber um ehrlich zu sein, für 50 Euro am Tag kann man und sollte man auch wirklich nicht arbeiten. Ich finde, man sollte es vom verlangtem Endergebnis abhängig machen und vielleicht so bei 200 bis 250 Euro anfangen (was eigentlich super günstig ist) und ggf. sich langsam steigern. Schleißlich ist 3D keine Sache von zwei drei Mausklicks.

Viele Grüße,
Peter
Pittiplatsch ist offline  
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Alt 08.02.2008   #5

Joe

 
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Hallo,

ich werde das jetzt mal langsam auf mich zukommen lassen, aber deine Anhaltspunkte helfen mir schon sehr weiter. Danke noachmal.

Joe
Icerockers ist offline  
Alt 11.02.2008   #6

Senior

 
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irgendwo musst du einsteigen, und wenn du deine arbeit gut machst, spricht sich das meist auch recht schnell rum. Am Anfang wirst du sicherlich in 1-2 Aufträge mehr investieren als du am Ende verdienst (mal zeitlich gesehen) aber wenn du alles ordentlich dokumentierst bekommst du dadurch ganz langsam ein gespür. Und wenn du es ehh nur nebenbei machst, mach nich den Fehler und biete dich als der billigste an. Damit machst du dir deinen Ruf dauerhaft kaputt. Lehne lieber den einen oder anderen Auftrag ganz bestimmt ab, indem du sagst dass die preislichen Vorstellungen zu weit auseinanderliegen.
Fängst du einmal an mit "Schleuderpreisen" heisst es immer nur "Geh zu dem, da ist es total billig". Und das willst du ja nicht. Gute Arbeit kostet auch gut!

ICh sage mal so, der Einstieg ist echt hart und mit sehr viel Glück verbunden. Wenn man dann 1-2 Kontakte hat, sieht man das alles schon etwas realistischer (so geht es mir zumindestens).
Marci ist offline  
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