Sébastien Larroudé hat als Matte-Painter und Concept-Artist schon so manches Projekt mit seiner Kunst bereichert. Zu den Arbeiten des gebürtigen Franzosen zählen Matte-Paintings für die Hollywood-Produktion 'Der Da Vinci Code - Sakrileg' und zahlreiche Jobs für die Trailerschmiede Reel FX ('Ice Age II', 'Robots').
Derzeit arbeitet er zusammen mit den kanadischen STEAMBOT Studios an einem eigenen Science-Fiction Comicbuch und an seiner ersten Workshop-DVD für The Gnomon Workshop.
Sébastién, wie lange bist du schon als Künstler tätig?
Obwohl ich nun schon seit fast zehn Jahren in der 3D Industrie arbeite, würde ich sagen, dass ich erst vor knapp vier Jahren damit angefangen habe, mich bei der Arbeit wirklich künstlerisch auszudrücken.
Hast du eine künstlerische Ausbildung oder hast du dir alles selbst beigebracht?
Ich habe Fotografie und traditionelle Kunst studiert, aber meine Eltern haben es auch immer schon gut verstanden, ihre Leidenschaft für die Künste in unseren ganz normalen Alltag zu integrieren.
Mein Vater war zum Beispiel ein begnadeter Fotograf und hat während seiner Zeit in Berlin sogar mal einen Preis gewonnen. Meine Mutter liebte es, in ihrer Freizeit zu malen. Sie hatte einige Angebote für Ausstellungen, die sie aber leider niemals angenommen hat.
Man kann schon sagen, dass ich in einer sehr künstlerischen Atmosphäre aufgewachsen bin. Das Studium hat mein Talent dann bloß noch konkretisiert und mit Theorie unterfüttert.
Welches war das erste Medium an dem du dich versucht hast und wieso hat sich dein Interesse letzlich auf die 3D Grafik konzentriert?
Naja, trotz meiner frühkindlichen Zeichnungen war das erste Medium, in welchem ich mich wirklich ausdrücken konnte die Musik. Sie war eigentlich der Anfang.
Ich begann so ungefähr mit sechs, verschiedene Instrumente zu lernen, aber als ich dann später meine Leidenschaft für das Malen wiederentdeckte, wollte ich unbedingt in der Film- und Spieleindustrie arbeiten.
Da führte an der digitalen Welt nunmal kein Weg mehr vorbei. Es war also eher eine logische Notwendigkeit als mein natürlicher Drang, sich letzlich mit Computern zu beschäftigen.
Woher rührt deine Liebe, tote Dinge wie Städte und Landschaften zu porträtieren? Du könntest dich ja beispielsweise auch mit Menschen oder Tieren auseinandersetzen.
Ich versuche eigentlich, den toten Dingen durch Licht, durch das Hinzufügen befremdlicher Artefakte oder durch einen vibrierenden Pinselduktus Leben einzuhauchen. Mir ist es wichtig, einen starken visuellen und grafischen Eindruck zu kreieren, eine Stimmung einzufangen und zu vermitteln. Ich glaube, das habe ich von den Fotografien meines Vaters gelernt.
Woher nimmst du deine Ideen, was inspiriert dich?
Nun, das mag sich für manche Menschen, die meine Arbeiten kennen, etwas merkwürdig anhören, aber ich möchte behaupten, dass die Natur immer schon eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat. Damals wie heute.
In der Natur finde ich meine Inspiration für alles Mögliche: Design, Farben, Formen, ja auch für Ideen und Prozesse. Von daher würde ich auch sagen, dass sie die Initialzündung für mich war, mich überhaupt mit Kunst zu beschäftigen.
Es ist eine Frage der Analyse und der Beobachtung. Farbe ist mein persönlicher Weg zum Verstehen der Welt.
Aber auf der anderen Seite fühle ich mich im Wettbewerb mit anderen Menschen besonders inspiriert. Speziell bei der Teamarbeit zusammen mit meinen Freunden von den STEAMBOT Studios. Wenn ich zum Beispiel Konzepte mit STEAMBOT male, ist es auf einmal nicht mehr nur mein persönliches, sondern unser gemeinsames Werk. Das muss man sich so vorstellen: ich beginne zum Beispiel mit einer Stimmung und versuche, diese dann in Farben auszudrücken. Dann wiederum fügt jemand anderes aus dem Team einen Charakter hinzu, wieder jemand anderes vielleicht ein Raumschiff, ein paar Details hier, noch einen Charakter dort und dann kehre ich am Ende zu diesem veränderten Werk zurück und vollende es.
Auf diese Weise kann man hervorragend neue Techniken erforschen und diese im Zusammenspiel mit anderen weiterentwickeln. Das ist die unsichtbare Kraft der gegenseitigen Ergänzung im Team.
Kennst du den deutschen Maler Caspar David Friedrich? Deine Werke scheinen stark vom Konzept des Erhabenen inspiriert zu sein.
Ja, ich verstehe natürlich, woher der Vergleich mit Caspar David Friedrich kommt. Es liegt an der Architektur, den Bergen, den Sujets an sich. Und ich muß gestehen, dass der Mystizismus wirklich einen großen Einfluß auf mich hatte.
Als ich am Anfang meiner Karriere im Bereich der Architektur arbeitete, wurde ich aber hauptsächlich von den minimalistischen Arbeiten Tado Ando's, dem Modernismus des Bauhaus oder eines Le Corbusier inspiriert. Aber auch Filmset-Designer wie Syd Mead ('Blade Runner', 'Tron') waren immer ein großes Vorbild für mich.
Basis: Simples Box-Modelling / Global Illumination Render
Du arbeitest als Matte-Painter und auch als Concept-Artist. Wo liegen die wichtigsten Unterschiede?
Nun, beide Bereiche sind sehr verschieden, ergänzen sich für mich aber perfekt.
Beim Job des Concept-Artists geht es erst einmal um eine Idee. Man beginnt, mit einem Design zu experimentieren und erforscht dann durch Speed Painting die vielen verschiedenen Möglichkeiten des Lichtes, der Stimmung und so weiter. Es ist ein sehr freier Prozess.
Details: In Photoshop werden Details hinzugefügt (Brushes/Texturen)
Beim Matte-Painting hingegen geht es immer um die finale Ausarbeitung einer schon festen Idee. Es gibt dabei sehr viele verschiedene Einsatzbereiche.
Mal geht es um die Erstellung einer kompletten CGI-Matte als realistisches Hintergrundbild für einen Film oder ein Spiel. Dann wieder gibt es Aufträge, bei denen man bloß Farbkorrekturen und ein paar Set-Erweiterungen zu erstellen hat. Es kommt auch vor, dass man das komplette Camera-Mapping für eine 3D Szene machen muss.
Durch diese Vielfalt ist der Job des Matte-Painters unglaublich interessant. Man muss die unterschiedlichsten Techniken kombinieren und mit vielen verschiedenen Programmen arbeiten.
Du hast am Hollywood-Blockbuster 'Der Da Vinci Code - Sakrileg' mitgearbeitet. Kannst du uns verraten, wo deine Matte-Paintings eingesetzt wurden?
An diesem Film habe ich zusammen mit STEAMBOT gearbeitet. Bis auf eine einzige Ausnahme wurde keins der Matte-Paintings komplett in 3D erzeugt, sondern war immer ein Mix aus Fotografien und Paintings.
Die Burg im Vordergrund ist beispielsweise ein Foto mit gemalten Erweiterungen. Die Wand, der Boden und die Vegetation sind gemalt. Und auch beim Himmel haben wir ein Sky-Replacement vorgenommen, denn die Originalaufnahme wurde eigentlich am Tag gemacht. Durch künstliches Licht und Farbkorrekturen haben wir dann die nächtliche Stimmung erzeugt.
Das Gleiche gilt für die Kirche. Bei ihr haben wir zusätzlich mehrere Menschen aus der Originalaufnahme entfernen müssen.
Die einzige Full-CG-Matte musste wegen eines unbrauchbaren Fotos mit unzureichender Auflösung erstellt werden. Das war ein stressreiches Unterfangen, da diese Entscheidung natürlich getroffen wurde, als uns die Zeit langsam knapp wurde.
Welche Software kam dabei zum Einsatz und wieso?
Ich benutze hauptsächlich Adobe Photoshop, eyeon Digital Fusion, Pixologic ZBrush und Autodesk Maya, weil sich diese Programme für meine Arbeit perfekt ergänzen. Sie bieten eine stabile Pipeline, was aber nicht bedeuten soll, dass ich mich bei Erscheinen eines überzeugenden anderen Softwarepakets nicht auch dafür entscheiden würde.
Ich nutze alles, was mir hilft, mich auszudrücken. Für Concept-Artists ist ZBrush aber mittlerweile das ultimative Werkzeug. Deshalb werde ich auf meiner bald erscheinenden DVD für The Gnomon Workshop auch besonders darauf eingehen.
Was wünschst du dir für die Entwicklung zukünftiger Programme?
Mehr Einfachheit und einen noch intuitiveren Zugang für Künstler. Ich persönlich habe keine speziellen Vorlieben, was Software betrifft. Jedes Programm hat so seine Stärken und Schwächen.
In Maya hätte ich zum Beispiel gerne andere Selektions-Werkzeuge, in Softimage|XSI mehr Interaktivität, in ZBrush einen guten Renderer.
Ach nein, Moment!! Den hat es ja schon! Also diese Software ist in jedem Fall wunderbar.
Was hältst du vom Klischee des 'hungernden Künstlers'?
Ich denke, gerade heutzutage haben Künstler die Wahl. Sich beruflich mit Kunst zu beschäftigen, bedeutet nicht gleichzeitig, dass man Hunger leiden muss.
Zwar bin ich kein übermäßig reicher Mensch, aber der 'hungernde Künstler' ist für mich auf jeden Fall ein Klischee.
Die Zeiten haben sich geändert und Kunst ist eine Art, sich viel Wissen anzueignen. Es ist eine wirklich ernstzunehmende Arbeit, auch wenn man sich selbst dabei nie allzu ernst nehmen darf. Von daher gehört dieses Bild für mich ganz klar in die Kategorie der Mythen.