Jeder, der sich professionell oder in seiner Freizeit mit 3D Computergrafik beschäftigt, weiß, dass gerade der Prozess des Renderns ein sehr zeitaufwändiges Unterfangen ist. Im Rahmen eines beschaulichen Hobbys mag dies noch akzeptabel sein, doch bei professionellen Produktionen ist Zeit bekanntlich Geld und "mal eben kurz den aktuellen Packshot für den Kunden durchrechnen" kann, je nach Komplexität einer Szene, schnell viele Minuten - wenn nicht gar Stunden - verschlingen. Dies soll sich dank HyperShot aus dem Hause Bunkspeed nun endgültig ändern. Und das in nur wenigen einfachen Schritten. Getreu dem Motto: 'Click. Drag. Simple.'
Man sollte meinen, dass es bereits genug gute Renderlösungen gibt: Blender, Maya, LightWave, modo - jede am Markt befindliche 3D Software bringt heutzutage einen annehmbaren Renderer mit und sollten dessen Qualitäten den Ansprüchen einer Produktion dennoch nicht genügen, so hat man immer noch die Möglichkeit, auf eine der zahlreichen externen Varianten zurückzugreifen. Diese muss nicht unbedingt teuer sein. NVIDIA zum Beispiel hat mit 'Gelato' einen kostenlosen professionellen Renderer im Angebot und auch Open-Source-Produkte wie YafRay oder Pixie liefern mittlerweile überzeugende Ergebnisse und beherrschen sogar den Umgang mit Normal-Maps, Subsurface Scattering und Global Illumination.
Der augenscheinliche Vorteil: all diese Lösungen kosten keinen Cent extra. Zumindest nicht in der Anschaffung.
Das Hauptproblem liegt aber ganz woanders, denn trotz guter Kenntnis der meist optionsreichen Software muss man immer noch sehr viel Zeit darauf verwenden, eine 3D Szene für die finale Bildberechnung zu präparieren: es müssen Licht und Shader optimiert, endlos viele Renderparameter eingestellt und im letzten Schritt dann auch noch das Rendering selbst durchgeführt werden.
Der gesamte Ablauf erfordert umfassendes Spezialwissen und ist wenig effizient. Für Sitzungen, bei denen der Kunde dem Operator im Nacken sitzt und unablässig optimistische Wünsche äußert, braucht man aber ein leicht zugängliches Werkzeug, das gute Ergebnisse in Echtzeit liefert. Eine Art interaktives Foto, ein Werkzeug wie HyperShot.
Beim Hersteller Bunkspeed ist man sich der Tatsache bewusst, dass die reine Berechnungszeit eines Bildes von allen möglichen Produktions-Engpässen nicht unbedingt der kritische Faktor ist. HyperShot verfolgt deshalb auch bei allen peripheren Aufgaben - wie Lichtsetzung oder Materialerstellung - einen äußerst simplen und vollständig interaktiven Ansatz.
HyperShot hat eine extrem flache Lernkurve. Schon nach wenigen Minuten fühlt man sich im Umgang mit dem Programm sehr sicher. Das Interface ist auf ein nötiges Mindestmaß reduziert worden, es präsentiert sich recht unscheinbar in Form eines kleinen Dialogfeldes.
Alle Manipulationen an einer Szene finden über Tastaturkürzel und Maus direkt im interaktiven HDR-Environment - bei vollem Raytracing und Global Illumination - statt.
Lässt man das Programm eine Zeit lang ohne User-Input allein, verfeinert sich das Bild automatisch bis die finale Qualität der interaktiven Vorschau erreicht ist.
Modelle
Der erste Schritt besteht darin, ein 3D Modell zu importieren. HyperShot versteht die Formate IGES, STEP und OBJ, wobei letzteres keine Baugruppen unterstützt. Möchte man später einzelnen Teilen eines Modells verschiedene Materialien zuweisen, so muss deren Zuordnung bereits in der Quellapplikation erfolgen und beim Export berücksichtigt werden.
Auch für eine ausreichende Tesselierung der 3D Geometrie sollte man bereits im Vorfeld sorgen, denn HyperShot beherrscht diese nicht. Für solche Arbeitsschritte ist die Software aber auch gar nicht gedacht.
Ist das Modell erst komplett vorbereitet, klickt man einfach auf 'Import Model' und wählt die entsprechende Datei von der Festplatte aus.
Wird es nun aufgrund eines anderen Koordinatensystems in der Quellapplikation nicht korrekt in der Szene platziert, kann man dies mit einem einzigen Klick auf die Transform-Palette sehr einfach korrigieren. Mit 'Snap to Ground' – Klick Nummer 2 - wird das Modell anschließend automatisch am Boden ausgerichtet. Fertig.
HyperShot beginnt nun automatisch mit dem Rendern der Szene.
Kameras
In HyperShot können beliebig viele Kameras angelegt werden. Alle Funktionen wie Tumble, Dolly, Pan und selbst das Einstellen der Brennweite und das Setzen des Drehpunktes erfolgen sehr bequem über die Maus.
Erweiterte Parameter wie Blende (F-Stop) oder Schärfentiefe (Depth of Field) lassen sich über den Kamera-Dialog anpassen. Hat man eine Kameraeinstellung gefunden, die gefällt, kann man diese mit ALT+'C' ('camera') abspeichern. Mit ALT-'N' ('next') ist es dann möglich, komfortabel durch alle gespeicherten Ansichten zu fahren.
Möchte man zwischendurch den Schnappschuss einer Einstellung exportieren, kann dies über das Tastaturkommando 'P' ('publish') erfolgen. Auf Wunsch legt HyperShot für jeden Schnappschuss auch eine eigene Kameraeinstellung an. Dadurch wird es bei der späteren Durchsicht aller Schnappschüsse sehr einfach, eine zum Bild passende Kamera wiederzufinden und die Einstellung zum Beispiel für einen Full-Render zu verwenden.
Materialien
Drückt man die Taste 'M', öffnet sich die Material-Bibliothek mit 50 Materialien. Die Auswahl ist auf CAD- und Produktpräsentationen ausgelegt und reicht von Glas und Leder über Holz und verschiedene Autolacke bis hin zu Plastik und Metall.
Hat man zuvor eine Materialgruppe zusammengestellt, wird diese beim Import des Objektes in Form eines 'Advanced Materials' inklusive aller verwendeten Texturen angelegt. Die Textur-Dateien werden automatisch in den Projektordner kopiert.
Um nun ein Material aus der Bibliothek oder direkt vom Modell zu selektieren, klickt man es bei gleichzeitigem Drücken von SHIFT mit der linken Maustaste an. Mit SHIFT-Rechtsklick auf den entsprechenden Teil des 3D Modells wird es anschließend übertragen.
Weist man das gewählte Material einem Objekt zu, das sich in einer Gruppe befindet, wird das neue Material auf alle Mitglieder der Gruppe übertragen. Durch Doppelklick kann man außerdem auf die erweiterten Attribute eines Shaders zugreifen und diese nach Herzenslust bearbeiten.
Material-Gruppen lassen sich ebenfalls über einfache Tastaturkommandos anlegen und auch wieder auflösen. Allerdings geht dies nicht mit den Kernmaterialien aus der HyperShot Bibliothek und die Möglichkeit, eigene Kreationen zu speichern, fehlt im 1.0er Release ebenfalls.
Die Funktion ist aber für zukünftige Versionen geplant und mit den hochwertigen Materialien aus der Library kommt man für's erste schon recht weit.
Beleuchtung & Umwelt
Während fast alle großen 3D Pakete die Verwendung von HDR-Bildern (High Dynamic Range) und Global Illumination als Render-Option anbieten, sind beide Verfahren in HyperShot integrierte Kernfunktionen. Dabei können die HDR-Dateien in Form eines 'Environment Image' sowohl als Lichtquelle wie auch als sichtbares Hintergrundbild für eine Szene verwendet werden.
Möchte man nur die Lichtinformationen verwenden, kann man die Sichtbarkeit des Environments einfach abschalten. Separate Hintergrundbilder lassen sich dann bei Bedarf als 'Backplate Image' in die Szene integrieren.
Dabei sollte man allerdings darauf achten, dass die gewählte Beleuchtung zum Inhalt des Hintergrundfotos passt, denn sonst kann die Szene ungewollt eine leicht surreale Anmutung bekommen.
Wählt man kein Hintergrundbild aus, kann man die Farbe des Environments frei wählen. Belichtung, Helligkeit und Gamma lassen sich jederzeit einstellen. Auch nach dem Rendern.
Eine HyperShot Szene muss man sich als eine Kugel mit transparentem Boden vorstellen. Der Boden sorgt für physikalisch korrekten Schattenwurf und Reflexionen und kann bei Bedarf auch komplett ausgeschaltet werden. Bei den Schatten gibt es zusätzlich die Option 'Self Shadowing', mit welcher man bestimmt, ob die Objekte ihre eigenen Schatten empfangen können.
Rendering & Bildausgabe
Durch die permanente Interaktivität des Programms ist jede Änderung sofort sichtbar. Ob man nun das Licht, eine Materialeigenschaft oder den Kameraausschnitt verändert, erst wenn man zu 100% mit dem Gezeigten zufrieden ist, sollte man den Renderknopf drücken, um einen Full-Render in voller Auflösung mit maximaler Qualität und integriertem Alpha-Kanal zu berechnen. Je nach Einstellung der erweiterten Render-Parameter und in Abhängigkeit von der verwendeten Hardware, kann dieser ziemlich lange Dauern.
Die Qualität des Full-Renders ist zwar überzeugend, aber - im Vergleich zu den ohnehin schon sehr guten Schnappschüssen - den zeitlichen Mehraufwand nicht unbedingt wert. Die Ausgabe erfolgt wahlweise im TIF oder JPEG Format.
Preisgestaltung
Bunkspeed HyperShot gibt es derzeit nur für Windows. Die drei Versionen unterscheiden sich nicht durch ihren Funktionsumfang, sondern durch die maximal mögliche Auflösung der berechneten Bilder.
HyperShot Web ist schon für 195,00 US-Dollar erhältlich und in der Lage, eine Auflösung von 800 x 450 Pixeln zu berechnen. Der Output ist somit völlig ausreichend für Web- und TV-Projekte.
HyperShot HD kann Bilder mit bis zu 1920x1080 Pixeln erzeugen und kostet 995,- US-Dollar.
HyperShot PRO ist das Königsprodukt und in Bezug auf die Auflösung nicht begrenzt. Das schlägt sich aber auch in einem stattlichen Preis von 9.995,- US-Dollar nieder.
Die drei Produkte sind untereinander vollständig kompatibel. So können Szenen, die mit HyperShot Web erstellt wurden, ohne Probleme in HyperShot PRO verwendet werden.
Fazit
Das Prinzip des interaktiven Renderings ist an sich nichts Neues und findet sich in der ein oder anderen Variante schon länger auch in großen 3D Programmen wie Autodesk Maya oder Softimage|XSI.
Das Besondere an HyperShot ist aber sein äußerst intuitiver Zugang, der es selbst Laien ermöglicht, in nur wenigen Minuten zu überzeugenden Ergebnissen zu gelangen. Die dadurch entstehende Zeitersparnis ist als Alleinstellungsmerkmal bezeichnend, doch HyperShot punktet zusätzlich durch sehr gute Bildqualität und einen recht hohen Spaßfaktor.
Auch wenn die aktuelle Version 1.0 in Bezug auf die Flexibilität im Umgang mit Materialien und Texturen sicherlich noch einige Wünsche offen lässt, geht der Ansatz in die richtige Richtung. HyperShot überzeugt gerade in der kostengünstigen Web-Variante durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 995,- (HD) beziehungsweise fast 10.000,- US-Dollar (PRO) sollte man allerdings schon eigene Materialien speichern können und eine umfassendere Bibliothek mit allgemeinerer Ausrichtung erwarten dürfen.
Für Architektur- und Produktpräsentationen, die zusammen mit dem Kunden in Echtzeit optimiert werden müssen, ist HyperShot sehr zu empfehlen. Ob sich die Investition in die PRO-Variante trotz der aufgeführten Mankos lohnt, muss man im speziellen Einzelfall entscheiden. Die Zukunft des Programms wird sicherlich interessant und hoffentlich auch simpel bleiben.